Interview mit Stefan P.

Sinnlos? liegt schon wieder ein paar Jahre zurück. Wie geht es weiter? Hat Sinnlos? die Erwartungen erfüllt? Wurden die Ziele erreicht und wann wird es das nächste "Sinnlos?" geben? Diese Fragen hat das FeG-Magazin "christsein-heute" unserem Kreisjugendleiter Stefan Petersen gestellt. Hier kannst du exklusiv das ganze Interview lesen.


Welche Erwartung hattest du an die Veranstaltung?

Gegenfrage: Wie beschreibt man die Erwartungen an einer Missionsveranstaltung? Gar nicht so einfach, denn immer wieder werden wir als Veranstalter mit der Frage konfrontiert, wie wir den „Erfolg“ von Sinnlos? messen können? An der Anzahl der geführten Seelsorge- oder „Bekehrungs“-Gespräche? Oder daran, wie viele Jugendliche nach vorne kommen und eine Kerze anzünden? Ich muss zugeben, als Mensch hab auch ich vor der Veranstaltung ab und zu solche Erwartungen und Wünsche gehabt. Aber als es los ging wusste ich, dass eine Evangelisation immer in den Herzen stattfindet. Dort, wo keiner von uns sehen kann, was passiert. Nur Jesus selbst. Ich denke, meine Erwartung an Sinnlos? war eine volle Halle, ein rundes Programm und vor allem offene Herzen bei allen Besuchern, so dass Jesus selbst darin wirken konnte. Wie, ist völlig zweitrangig. Durch die Predigt von Heinz Janzen, den Lobpreis, die Theaterstücke, die teilweise sehr emotionalen Clips oder durch ein Gespräch mit einem Wegbegleiter. Und weil Gott so groß ist, gehen meine Erwartungen noch viel weiter, denn was Jugendliche bei Sinnlos? gehört haben, kann sie auch noch nach Tagen, Wochen oder Jahren zu Jesus führen.

Wie sahen die Vorbereitungen für diese Veranstaltung aus (Zusammenarbeit mit Gemeinden, Vorbereitung in Teams, etc.)?

Erste Ideen und Überlegungen zu Sinnlos? begannen schon im Jahr 2007. Eine kreative Spurgruppe fing vorne an zu denken: Ist Sinnlos? wieder dran? Zieht ein Konzept einer Großveranstaltung in der heutigen Zeit noch? Wie gestalten wir in der Postmoderne die Nacharbeit? Was muss anders aussehen als in den letzten Jahren? Unabhängig voneinander entschieden sich zwei unterschiedliche Teams 2007 und 2008 für eine Planung einer weiteren Jugendwoche. Ein Team aus ehrenamtlichen Mitarbeitern wurde gebildet und begann im Sommer 2009 mit den ersten konkreteren Überlegungen zu Sinnlos? 2010. Ende des Jahres standen erste Bereichsleiter und das Kernteam aus fünf hauptverantwortlichen wurde gebildet. Die unterschiedlichen Aufgaben wurden zugeordnet und erste Konzepte entwickelt und vorgestellt. Im Frühjahr 2010 standen Redner, Thema und Layout und über die Kernteam-Mitarbeiter bildeten sich viele unterschiedliche Arbeitsgruppen, z.B. für Prorgamm, Clips, Öffentlichkeitsarbeit, Gebet, Sinnlos?-Camp, Technik, Logistik, Orga uvm. Über 200 ehrenamtliche Mitarbeiter aus den Gemeinden des Mittelhessen-Kreises und auch darüber hinaus waren viele Monate in diesen Bereichen tätig. Zwei Sinnlos?-Vorbereitungsgottesdienste stimmten inhaltlich und auch geistlich auf das Thema für Sinnlos? ein und um die vielen Mitarbeiter aus den Jugend- und Teenkreisen darauf vorzubereiten gab es extra für Sinnlos? fertige Bibelarbeitern für die Zeit nach den Sommerferien.

Wie habt ihr die Jugendlichen eingeladen? Welche besonderen Aktionen habt ihr unternommen, um auf „sinnlos?“ aufmerksam zu machen?

Erste Drucksachen gab es in Form eines Vorabflyers und eines Vorabplakates schon ein halbes Jahr vor der Veranstaltung. Die neue Internetseite ging online erste Gruppen wurden auf den bekannten Social Networks wie Facebook oder StudiVZ geschaltet. Die meisten Einladungen gehen bei solchen Events immer über persönliche Kontakte. Wichtig ist, seine eigenen Mitarbeiter und Jugendlichen zu motivieren, ihre Freunde, Klassenkameraden, Arbeitskollegen usw. einzuladen und mitzubringen. Vier Wochen vor Sinnlos? wurden etwa 180 Plakate im ganzen hessischen Hinterland von Asslar bis Biedenkopf aufgehängt und 10.000 Flyer und Streukarten in die Jugendkreise gegeben. In Bad Endbach selbst hing das Plakat in vielen Geschäften und Pressemeldungen und Infos wurden an die regionalen Zeitungen geleitet. Neu in der Werbekampagen bei Sinnlos? 2010 war die starke Einbindung des Internet in Form von Social Networks. Wöchentliche bis tägliche News, Kommentare verbreiteten sich über Facebook, StudiVZ, wkw und twitter und nach den Sommerferien ludt ein wöchentliches Teaser-Video zur Sinnlos? Woche über diese Wege und den Sinnlos?-Youtube-Channel ein. Zu guter Letzt haben auch viele junge Mitarbeiter auch selbst eine Menge Initiative ergriffen und Plakate und Flyer in ihren Schulen ausgehängt und verteilt.

Wie lange dauerten die Vorbereitungen?

Vor über drei Jahren begannen die Überlegungen zum Grundkonzept, der inhaltlichen Ausrichtung, einer Zieldefinition und dem Zeitraum. Die konkrete Planung und Vorbereitung im Sinnlos?-Kernteam und den verschiedenen Arbeitsbereichen begann etwa 16 Monate vor Veranstaltungsbeginn. Umbau und Aufbauarbeiten in der Halle starteten vier Tage vor dem ersten Abendevent.

Was war dein persönlicher Wunsch für diese Woche?

Mein Wunsch war, dass Menschen Jesus entdecken, ihm ihr Leben geben und zu echten Nachfolgern werden. Dass Menschen mit Fragen nach Hause gehen und Jesus selbst in ihren Herzen für eine gewisse „Unruhe“ sorgt und sie schlussendlich in ihm selbst den Freudeschenker, Heimatgeber, Glücklichmacher, Schuldvergeber, Friedensbringer, Worteinhalter und Liebesspender finden.
Und mein Wunsch war, dass die vielen Mitarbeiter aus der ganzen Kreisjugend zusammenwachsen und auch jeder der in irgendeinem Bereich bei Sinnlos? tätig war Jesus neu entdeckt und durch die Woche verändert wird bis hin zu dem persönlichen Wunsche selbst Jesus mehr zu entdecken und in der Beziehung zu ihm zu wachsen.

Wie viele Leute waren durchschnittlich an einem Abend da?

Der erste Abend zog über 700 Besucher in das KSF-Zentrum nach Bad Endbach. Durchschnittlich waren es über 800. Am Freitag füllten knappe 1000 Menschen die Halle beim Hauptprogramm.

Was waren besondere Erlebnisse während der Woche (Highlights, oder auch Misslungenes)?

Es war eine Woche mit Höhen und Tiefen. Mit unermesslich viel Segen aber auch mit starker Anfechtung. Die ersten Tage waren die größten Herausforderungen. Missverständnisse und Disharmonie unter einigen Mitarbeitern oder Stromausfälle brachten manche nach dem ersten Abend in ein Stimmungstief. Mit vielen Kranken begann der zweite Tag noch herausfordernder. Kurz vor Beginn der Veranstaltung mussten sich die halbe Band und die Moderatorin krankheitsbedingt abmelden. Improvisation und Ruhe war alles. Mit einer schnell zusammengewürfelten Ersatzband startete der zweite Abend ohne Vorprogamm mit einer leichten Verspätung. Weitere Ausfälle auch im Kernteam machten uns aber vor allem deutlich, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Denn wo wir Gottes Wege gehen und seinen Auftrag ausführen wollen, da will uns der Teufel mit allen Mitteln hindern, blockieren und uns große Steine in den Weg legen. Größtes Highlight war der mit der Anfechtung einhergehende Segen Gottes, der trotz allem Stress und Improvisierens sehr gelungene Abende schenkte. Der Besucher selbst hat von alledem, was an Stress und auch Verunsicherung hinter der Bühne ablief nichts oder nicht viel mitbekommen. Menschen kamen zum Glauben und Gott segnete Sinnlos? mit schneller Heilung bei den meisten und „entspannten“ Veranstaltungen an den darauffolgenden Abenden mit vielen veränderten oder nachdenkenden Besuchern.

Wenn es etwas gibt, dass die Jugendlichen nach dieser Woche nach allem Erlebten und Gehörtem nicht vergessen sollten, was wäre das?

Für die Besucher, dass sie in Jesus wirklich alles finden, was sie brauchen. Den Heimatgeber, den Glücklichmacher, den Friedensbringer, Schuldvergeber usw. Und dass Christen nicht langweilig, verstaubt und konservativ sein müssen. Sondern dass Jesus uns als der Freudeschenker auch Freude schenken will. Durch fetzige Musik, Predigten in den gelacht werden darf uvm.

Für die Mitarbeiter, dass Jesus größer und stärker ist als alle Anfechtung in welcher Form auch immer. Was auch immer uns aus der Bahn hätte werfen können: Krankheit, Streit oder technische Pannen. Jesus hat Sinnlos? gewollt, genutzt und schlussendlich gesegnet. Wir haben ihn entdeckt. Als denjenigen der tut.

Wie lautet dein Resümee nach der vergangenen „sinnlos?“ Woche?

Mit Sicherheit war Sinnlos? 2010 eine gute Woche für alle Besucher. Ob sie nach vorne gekommen sind, eine Entscheidung für Jesus getroffen haben oder einfach nur dabei waren. Ich weiß, dass Jesus viele bewegt hat von denen wir als Veranstalter überhaupt nichts mitbekommen haben und mehr passiert ist als wir sehen können.
Mit Sicherheit hat Sinnlos? das Jugendwerk zusammengeschweißt, neue Einheit geschaffen und junge Christen durch die Mitarbeit in ihrer Beziehung zu Gott nach vorne gebracht.
Durch sehr positive Presse in den lokalen Medien und dem guten Image der seit 15 Jahren stattfindenden Veranstaltung hat auch Sinnlos? 2010 wieder Spuren in und um Bad Endbach hinterlassen, wurde und wird durchweg positive wahrgenommen und hat bei einigen Menschen im Hinterland bestimmt den Blick auf den Glauben und das Christsein verändert.
Viel Arbeit, Stress aber tausendmal mehr Freude, Spaß und das klare und starke Wirken Gottes haben sich mehr als gelohnt und die Region und die Gemeinden können nachhaltig und längerfristig von Sinnlos? 2010 zehren.

Gibt es schon Planungen für eine weitere „sinnlos?“ Woche?

Für uns als Mitarbeiter- und Kernteam ist jetzt die Nacharbeit, die Begleitung von neuen Kindern Gottes und das Analysieren der Woche dran und wichtig. Bis ins nächste Jahr hinein wollen wir die Auswirkungen der Woche beobachten und vor allem Menschen versuchen in ihrem Leben mit Jesus zu begleiten.
Ob und wie es ein weiteres Sinnlos? geben wird, wird aktuell noch nicht diskutiert. Grundsätzlich sind wir für weitere Veranstaltungen immer offen, wollen uns aber auch für eventuelle kommende Veranstaltungen wieder viel Zeit dafür nehmen zu überlegen und zu beten, ob diese Form der Mission weiterhin das Richtige für Jugendliche ist. Die Jugendkultur entwickelt sich in der Post-Postmoderne so schnell, dass immer wieder neue Möglichkeiten und Formen der Verkündigung gesucht und an die Bedürfnisse, Lebensverhältnisse und Vorlieben von jungen Menschen angepasst werden müssen. Vielleicht sieht ein nächstes Sinnlos? ganz anders aus. Vielleicht sieht es ähnlich aus. Wir sind selbst gespannt was Gott mit uns vorhat und wie er sich in Zukunft das Erreichen von Jugendendlichen mit der frohen Botschaft vorstellt.

Welche Ratschläge würdest du an Gruppen und gemeinden geben, die ähnlich Aktionen planen?

Bevor ihr anfangt eine Veranstaltung zu planen nehmt euch viel Zeit zu überlegen, wie sich junge Menschen in eurer Umgebung ansprechen lassen. Ich glaube dass es in einem so bunten Land wie Deutschland wichtig ist zu schauen, wie die Jugendlichen in unserer Umgebung und unserem Einzugsgebiet ticken und wie und wo sie Lebensfragen stellen. Wenn Gott euch da einen Weg gezeigt hat überlegt euch die Formen der Verkündigung. Klassische Predigt, Straßenmission oder was ganz anderes. Gott hat unendlich viele Wege Menschen zu erreichen. Vielleicht durch eine Sinnlos?-ähnliche Großveranstaltung. Vielleicht durch den konkreten Ganz in die Lebensbereiche der Jugendliche. Vielleicht aber auch auf einer intensiven persönlichen Ebene.
Egal wie Gott es vorhat, er weiß am allerbesten wie es aussehen soll und wie er euch dazu nutzen wird. Das Wissen, wie Jugendliche drauf sind ist zu Beginn jeder Planung das A und O. Und dann kann und wird Gott großes Tun.
Und schlussendlich sollten ihr immer auch mutig sein Neues auszuprobieren, improvisieren zu müssen und in jeder noch so aussichtslosen Lage oder Situation Gott zu vertrauen und sein Wirken zu sehen. In Deutschland haben wir (noch) viele Freiheiten, Möglichkeiten und definitiv eine sehr große Ernte. Und ich kann euch nur ermutigen loszulegen!